Freiwilliger an der Bethlehem Universität

Die Welt entdecken, die eigenen Fähigkeiten erforschen und noch ein Jahr zur Verfügung haben, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich, nach ihrem Schulabschluss ein Jahr lang im Ausland als Freiwilliger zu helfen. Auch an der Bethlehem Universität arbeiten schon seit vielen Jahren Freiwillige, entsendet durch den „Deutschen Verein vom Heiligen Land“ (einem deutschen christlichen Hilfswerk für das Heilige Land) und unterstützen vor Ort die Mitarbeiter der Universitätsverwaltung bei ihren Aufgaben. Justus (20 Jahre) ist im vergangenen August nach Bethlehem aufgebrochen, um dort für ein Jahr, im Rahmen eines Freiwilligendienstes, zu leben und zu arbeiten. Aufgrund der weltweiten Covid-19 Pandemie musste er allerdings schon im März frühzeitig in seine Heimat Deutschland zurückkehren. Die ABU hat mit Justus gesprochen und ihn nach seinen Erfahrungen und Erlebnissen an der Bethlehem Universität befragt.

Bei welchen Aufgaben unterstützt der Freiwillige an der Bethlehem Universität die Universitätsverwaltung?

Die Freiwilligenstelle ist im Büro für Entwicklung der BU angesiedelt, das sich um den Bereich Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und die Website der Universität kümmert. Als Freiwilliger arbeitet man in diesen drei Bereichen. Als Freiwilliger war ich verantwortlich für die deutschsprachige Website, habe Reisegruppen aus dem deutschsprachigen Raum betreut und war für Anfragen diesbezüglich die erste Kontaktstelle. Neben diesen Aufgaben ist man als Freiwilliger ein wenig „Mädchen für alles“. Ich habe z.B. oft bei Veranstaltungen der Universität für die Öffentlichkeitsarbeit Fotos gemacht, das Büro beim Fundraising unterstützt  oder dabei geholfen, die Datenbank auf dem neusten Stand zu halten.

 

Hattest Du bei deiner Arbeit als Freiwilliger auch Kontakt zu den Studenten der Bethlehem Universität?

 

Eine der besten Aspekte meiner Freiwilligenstelle war, dass ich in Zusammenhang mit meinen Aufgaben an der BU sogar viel Kontakt zu Studierenden der Universität hatte. Für die vielen Besuchergruppen, welche die Universität besichtigen, wurde das „Student Ámbassador Programm“ ins Leben gerufen.  Die Studierenden, welche Teil des Programmes sind, heißen zusammen mit der Besucherbeauftragten der Universität oder dem Freiwilligen die Besuchergruppen willkommen und gewähren  den Besuchern bei Fragerunden einen Einblick in den Alltag eines Studenten in der Westbank. Mit vielen der „Student Ambassadors“ habe ich mich in meiner Zeit in Bethlehem angefreundet und freue mich sehr darüber, mit einigen von ihnen, noch regelmäßig in Kontakt zu sein. Außerhalb meiner Arbeitszeit hatte ich die Möglichkeit, einem der vielen Clubs der Universität beizutreten, um in Kontakt mit Studierenden der Universität zu kommen. Ich hatte mich für den „Debating Club“ und den „UN Simulationsclub“ entschieden.

 

Warum findest du die Arbeit der Bethlehem Universität vor Ort wichtig?

Die BU bietet jungen Palästinenser*innen, welche mit der Mauer und dem Konflikt zwischen Israel und Palästina aufgewachsen sind, einen“ Safe Place“, an welchem ihnen durch Bildung geholfen wird ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Viele der Studierenden müssen dafür täglich Check Points überqueren oder kommen aus einem der vielen Flüchtlingscamps der Westbank. Trotz dieser und vieler anderer Schwierigkeiten gibt die Bethlehem Universität Tag für Tag ihr bestes, den Student*innen exzellente Bildung zu bieten.

 

Aufgrund der weltweiten Covid-19 Pandemie musstest du deinen Freiwilligendienst vorzeitig beenden; wie ist aktuell die Situation in Bethlehem?

Anfang März sind bei einer Touristengruppe, welche in einem Hotel, in einem Nachbarort von Bethlehem, untergebracht waren, Fälle von Corona aufgetreten. Schnell war klar, dass die Touristen auch Mitarbeiter des Hotels angesteckt hatten. Daraufhin rief der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas den Notstand aus. Schulen, Kindergärten, aber auch die Bethlehem Universität waren dadurch gezwungen, zu schließen. Israel sperrte die Checkpoints zur Westbank und auch die Palästinensische Autonomiebehörde riegelte die Region Bethlehem vom  Rest der Westbank ab. Ich selber konnte Bethlehem noch knapp verlassen bevor die Checkpoints geschlossen wurden. Mittlerweile ist - nach meinen Informationen - ein Checkpoint wieder geöffnet, es fahren aber keine Busse nach Bethlehem rein. In der Krise gibt es viel Solidarität zwischen den Bewohnern von Bethlehem, so verteilen zum Beispiel Pfadfinder Essen und es haben sich lokale Hilfs-Komitees gebildet, in denen sich auch teilweise meine Kollegen und Kolleginnen der Bethlehem Universität engagieren.  Während Geschäfte mittlerweile wieder öffnen, bleiben Einrichtungen, an denen sich viele Leute versammeln könnten, weiterhin geschlossen. Das betrifft auch die Bethlehem Universität und es ist noch nicht absehbar, wann diese ihre Arbeit wieder aufnehmen kann. 

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